Das Container-Konzept in der Schifffahrt
Container sind standardisierte, das heißt weltweit genormte Großraumbehälter, in denen Güter der unterschiedlichsten Art transportiert werden können. Die Einsatzgebiete von Containern sind nicht nur auf den Transport beschränkt. Neben der Verwendung als Transportcontainer (ISO-Container bzw. Übersee-Container) werden sie auch zu anderen Zwecken eingesetzt. Bürocontainer, Sanitärcontainer, Baucontainer und Schuttcontainer sind nur einige der vielen Anwendungsmöglichkeiten.
Die Container haben innerhalb der letzten 20 Jahre im weltweiten Transportverkehr, nicht nur in der Schifffahrt, enorm an Bedeutung gewonnen. Neben dem Container-Transport gibt es in der Schifffahrt noch den Stückgut-Transport, den Massengut-Transport (Schüttgut-Transporte und Tankladungen), RoRo-Verkehr (Roll on Roll off) - und LASH-Verkehr (Lighter Aboard Ship) sowie andere Spezialverkehre.
Die starke Entwicklung des Container-Transports innerhalb der Schifffahrt geschah vor dem Hintergrund, dass der Einsatz von Containern eine geschlossene Transportkette zu Land und zu Wasser ermöglicht. Der Vorteil liegt darin, dass man die Container aufgrund ihrer genormten Form mit verschiedenen Transportmitteln (Binnenschiffe, Seeschiffe, Eisenbahn und LKW) befördern kann und dass die Container schnell umgeschlagen werden können. Die Verbreitung des Containers im internationalen Warenverkehr hat den Güterverkehr revolutioniert. Die Zahl der im Transportwesen weltweit eingesetzten Container wird auf rund 100 Millionen geschätzt. Es werden 70 % aller Stückgutfrachten zu See in Containern transportiert. Die Reedereien transportieren etwa 356 Millionen Container pro Jahr mit Schiffen.
Es gibt verschiedene Spezialversionen von Containern. Dazu gehören Kühlcontainer für verderbliche Güter, Tank-Container für flüssige oder gasförmige Substanzen, Auto-Container für den Transport von Personenkraftwagen oder auch Container für die Beförderung von lebenden Tieren.
Die so genannten ISO-Container sind der wohl bekannteste und wichtigste Containertyp. In den ISO-Containern wird der größte Teil des Warenhandels abgewickelt. Die gängigsten ISO-Container haben eine Breite von 8 Fuß (2,44 m) und eine Länge von 20 Fuß (6,1 m) oder 40 Fuß (12,2 m) lang. Ein 20 Fuß Container wird auch als TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) bezeichnet und ein 40 Fuß Container als FEU (Fourty-foot Equivalent Unit). Daneben gibt es noch einige Sondermaße. Die TEU hat sich inzwischen als Maßeinheit zur Zählung von Containern etabliert. Sie wird auch bei der Angabe der Ladekapazität von Containerschiffen und für die Umschlagsmengen in Häfen und Güterbahnhöfen als Maßeinheit verwendet. Standard-ISO-Container haben eine Höhe von 8 Fuß und 6 Zoll (2,59 m). Daneben gibt es auch die Ausführung als „High-Cube“-Container, manchmal auch als HQ bzw. „High-Quantity“-Container bezeichnet. Diese Container sind 9 Fuß und 6 Zoll (2,90 m) hoch. Die Abmessungen von Containern orientieren sich an der Maßgabe, dass sie sich auch mit Lkw, Eisenbahn oder Binnenschiffen befördern lassen. In den letzten Jahren wurden auch Container mit einer Länge von 45 Fuß (13,72 m) eingeführt, die für besonders voluminöse Ladungen Vorteile bieten. Die 45-Fuß-Container können regulär auf LKW-Chassis befördert werden, ohne dass die in Europa maximal erlaubte Gesamtlänge eines Sattelzuges überschritten wird. Die 45-Fuß-Container sollen auf lange Sicht die in Europa üblichen konventionellen Sattelauflieger ersetzen.
Das Gewicht eines leeren 20-Fuß-Containers beträgt 2.300 kg. Ein 40-Fuß-Container wiegt 3.900 kg. Die Container dürfen ein Bruttogewicht von 30.480 kg haben. Damit ergeben sich Maximalbeladungen von ca. 28 Tonnen für den 20-Fuß-Container und ca. 26,5 Tonnen für den 40-Fuß-Container. Ein 20-Fuß-Container hat ein Volumen von 33 Kubikmeter. Bei der Beladung von Containern muss jedoch auch das zulässige Maximalgewicht (inklusive Fahrzeug) im Straßentransport in den jeweiligen Ländern, in denen der Container auf dem Landweg transportiert wird, beachtet werden. In Deutschland gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme, da im kombinierten Verkehr (Wasser – Schiene – Straße) ein Gesamtgewicht von 44 Tonnen zulässig ist.
Container sind äußerst stabil gebaut. Sie können auf Containerschiffen in bis zu dreizehn Lagen übereinander gestapelt werden. Die Container werden mit Twistlocks aneinander befestigt bzw. verriegelt. Diese werden dabei in die genormten Eckbeschläge (corner-castings) der Container eingesetzt. Ein Teil des Twistlocks wird um 90 Grad gedreht, um dadurch eine formschlüssige Verbindung herzustellen.
Jeder Container besitzt eine eigene Identifikationsnummer. Die Nummer besteht aus vier Großbuchstaben, die auf den Besitzer des Containers hinweisen, sowie sechs Ziffern und eine Kontrollziffer. Dadurch können Container eindeutig identifiziert werden und der Weg und Aufenthaltsort eines Containers auf seiner Reise verfolgt werden. Eine Aufstellung der so genannten Prefixe (Buchstabenkombinationen) findet sich unter http://www.Prefixlist.com.
Werden in einem Unternehmen Container benötigt, können diese in einem Containerdepot gekauft oder gemietet werden. Wie für Europaletten existiert auch für Transport-Container ein Pfandsystem. Es erfolgt ein Zug um Zugtausch. Leihbehälter (Mietcontainer) sind bei Containerspediteuren oder Containervermietungen erhältlich. Entsprechende Firmen findet man z. B. in Branchenverzeichnisseen auf der Suche Containerservice, Containerdienste, Containerspedition oder Container-Vermietung und Container-Verkauf. Meist ist für Container eine Tagespauschale fällig. Beim Tausch im Pfandsystem ist darauf zu achten, dass man immer einen unbeschädigten Container bekommt.
Zusammenfassend bietet der Einsatz von Containern mehrere Vorteile:
Mit Einführung des genormten ISO-Containers kann der Umschlag weitestgehend automatisiert erfolgen. Waren müssen beim Wechsel des Verkehrsmittels nicht mehr umgeladen werden. Ein Container wird stets als Ganzes befördert. Das heißt heterogene Güter werden homogenisiert. Die zeitaufwendige Beladung eines Containers kann erfolgen ohne das ein Fahrzeug vor Ort sein muss. Ist der Beladungsvorgang abgeschlossen kann ohne Zeitverzögerung die komplette Ladung aufgenommen und zum Bestimmungsort gebracht werden. Alles in allem bieten Container erheblich verkürzte Umschlagzeiten. Gegenüber Stückgutfrachtern kann eine Verbesserung bis zum Faktor 10 erreicht werden. Durch die Bauweise von Containern (Verplombung) kann zudem die Zollabfertigung ins Binnenland verlagert werden und Wartezeiten an den Grenzen können eingespart werden. Container sorgen für eine bessere Raumausnutzung bei Lagerung, Umschlag und auf den Schiffen: Abmessungen von Lagerhallen, Kränen und Containerschiffen können optimal an die standardisierten Containermaße angepasst werden. Containertransporte sind also in den meisten Fällen wirtschaftlicher als Stückguttransporte.

