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Der Schiffbau - eine sterbende Industrie?

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Es ist noch nicht so lange her, da wurde die Schiffbau-Industrie tatsächlich als sterbende Industrie abgetan. Heute, ein paar Jahre später erlebt die Branche den größten Boom ihrer Geschichte. Die deutsche Werften sind für die nächsten Jahre komplett ausgebucht. Jedoch spielt sich der Schiffbau in Deutschland nur noch in Nischen ab. Bei den großen Containerschiffen ist Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig gegen die asiatische Schiffsschmieden wie z. B. Samsung und Hyundai in Korea.

Jahrzehnte hatte der Schiffbau den Ruf einer sterbenden Branche, insbesondere in Deutschland. Der Schiffsbau war eine Subventionsindustrie wie die Kohleförderung, der scheinbar keine mehr Zukunft hatte. Der Markt lag am Boden und konnte nur nich mit Steuergeldern am Leben erhalten werden. Das Bild hat sich gewandelt: Der industrielle Schiffbau erlebt den wohl größten und längsten anhaltenden Boom in der Geschichte. Bereits im Jahr 2005 bekamen die Werften weltweit Aufträge über 100 Mrd. Dollar. In den nächsten drei Jahren sollen über 5000 Schiffe gebaut werden. Die Preise für Neubauten stiegen seit 2003 um über 50 Prozent.

Der Boom heute ist anders als der Boom der vor 30 Jahren durch den Tankerbau für das wachsende Ölgeschäft ausgelöst wurde. Dieser Boom brach mit der Ölkrise zusammen. Dieses Mal ist der Boom nicht vom Öl abhängig. Grund ist globales Wachstum und vor allem das Wachstum in China und anderen Teilen Asiens. Das Wirtschaftswachstum Chinas treibt schon jahrelang den Welthandel an und verstopft die Seewege zwischen Asien und Europa. Waren aus China überschwemmen Europa und Rohstoffe und Produktteile zur Endmontage werden nach China befördert. Dieses enorme Transportaufkommen ist die Ursache für die starke Nachfrage nach Containerschiffen, aber auch nach Tankern.

Deutschland hat einen großen Anteil am Aufschwung der Schiffsindustrie. Erstaunlicherweise aber nicht, weil die Schiffe in deutschen Werften gebaut werden, sondern weil die Schiffe von inländischen Investoren finanziert und in Auftrag gegeben werden. Die deutschen Reedereien haben sich bei den Containerschiffen als eine dominierenden Weltmacht etabliert. Das Geschäft ist bei Frachtraten von derzeit bis zu 40000 USD attraktiv. Außerdem lockt in der EU die Tonnagesteuer. Als investieren auch etliche wohlhabende Privatanleger ihre Geld auf der Flucht vor den Steuern in Schiffsbeteiligungen und Schiffsfonds. Die deutsche Flotte ist auf den Weltmeeren Spitze. Letztes Jahr gab es mehr als 1000 Containerschiffe mit deutschen Besitzern.

Anders sieht es bei den deutschen Schiffsbauern aus. In Deutschland werden eigentlich nur noch entweder kleine Schiffe oder komplizierte Schiffe, wie Yachten, Kreuzfahrtschiffe oder Spezialschiffe gebaut. Nur noch in solchen Nischen können sie die Konkurrenz aus Asien fernhalten. Die Massenproduktion ist bereits nach Asien ausgewandert. Für die großen Containerschiffe fehlt es in Deutschland heutzutage auch schlichtweg an Infrastruktur. Es gibt für solche Schiffe hier gar keine passenden Docks. Trotzdem geht es den deutschen Werften nicht schlecht. Die besten und teuersten Yachten der Welt werden bei Lürssen in Bremen und bei Blohm und Voss in Hamburg gebaut. Der russische Multimilliardär Roman Abramowitsch hat sich gerade für ca. 200 Mio. EUR eine Luxusyacht bestellt. In Papenburg werden bei der Meyer-Werft Kreuzfahrtschiffe gebaut. Die Meyer-Werft gehört zu den führenden Kreuzfahrtschiffkonstrukteuren. Die Aker-Werft in Wismar hat einen Auftrag über die 2 größten Fracht- und Passagierfähren der Welt bekommen. Außerdem werden hier eisbrechende Frachter gebaut. Auf der Peenewerft in Wolgast entstehen Feeder-Containerschiffe. Diese kleinen Containerschiffe sind Zubringer für die Containerriesen aus Asien. Da immer mehr Containerriesen unterwegs sind werden auch viele Feeder benötigt. Derzeit gibt es ein Ungleichgewicht. Es fehlen Feeder-Containerschiffe und die Nachfrage ist dementsprechend hoch. In den richtigen Nischen können sich die deutschen Schiffsbauer also noch behaupten. Hier fehlt der Konkurrenz aus Asien das Know-How.

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